Neongelb

M8, Rosenthaler Platz. Ein Rudel schnatternder Touristinnen entscheidet, dass die Abstimmung über den nächsten zu besuchenden Laden in der Tramtür stattzufinden hat. Ein junger Mann, den man dem äußeren Anschein nach als Flüchtling einordnen könnte, beäugt sie eher sehnsüchtig als gierig.

Mich ärgert erstmal einfach, nur dass ich ich nicht schneller nach Hause komme. Sie entsteigen endlich der Bahn. Ich fluche unhörbar. Er schmachtet. Die gedanken- und sorglose Welt dieser Mädchen ist ihm unendlich fern. Er wirkt nicht wie ein Mann der sich nach einem anstrengenden Tag freuen kann, bald zu Hause zu sein.

An der nächsten Haltestelle trottet er in die Nacht – in seiner neongelben Arbeitskleidung voller Baustellendreck. Wenn morgen die Schnatterbrigade den Rausch ausschläft und die üblichen Besorgten wegen Arbeitsplätzen, Kriminalität und Frauen das Internet vollgreinen, fährt er wieder auf den Bau.