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Posts tagged: Politik

Ich hatte da mal ‘ne Frage, stellte sie eloquent, sah dabei umwerfend aus und erntete dafür zu Recht Klatschehändchen:

Wenn deutsche Politiker es nicht hinbekommen in der Eile nach einem Zwischenfall vernünftige Aussagen zu tätigen, wäre es nicht besser, sie enthielten sich zum Nahost-Konflikt einfach jeglicher Meinungsäußerung?

Bild von queer.kopf, dessen Einverständnis ich dreist voraussetze.

Ich hatte da mal ‘ne Frage, stellte sie eloquent, sah dabei umwerfend aus und erntete dafür zu Recht Klatschehändchen:

Wenn deutsche Politiker es nicht hinbekommen in der Eile nach einem Zwischenfall vernünftige Aussagen zu tätigen, wäre es nicht besser, sie enthielten sich zum Nahost-Konflikt einfach jeglicher Meinungsäußerung?

Bild von queer.kopf, dessen Einverständnis ich dreist voraussetze.

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Der grüne Wahlabend – Die große Euphorie muss warten

Es ist 18:15 Uhr als ich am Platz vor dem Neuen Tor ankomme. Die Grünen feiern eine NRW-Wahlparty. Ich bin bereits zu spät, um die ausgelassene Stimmung bei Verkündung der ersten Hochrechnung mitzubekommen. Zwischen Fahrrädern und einem Phoenix-Übertragungswagen ist kaum noch Platz auf dem Bürgersteig.

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A.C.A.B. - All Co…iffeurs Are Bastards

Mit einer Schere haben Polizisten in den Vereinigten Arabischen Emiraten die öffentliche Ordnung wieder hergestellt. Sie verpassten einigen Jugendlichen eine neue Frisur […] Die Jugendlichen waren in einem Einkaufszentrum des Emirats Ras al-Chaima wegen ihrer Frisuren und ihrer unanständigen Kleidung aufgefallen.

So werden bei der dpa (in diesem Fall via Welt) die menschenverachtenden Sprachregelungen der Diktaturen des mittleren Ostens unkritisch übernommen.

Enge Tshirts und Jungs mit langen Haaren sind genau so (un)anständig wie jede Burka, jedes Kopftuch, Adiletten, Anglerhüte, Tennissocken und Karottenjeans. Wenn die dpa statt auf journalistischer Distanz zu bleiben, mit den Gottesstaatlern kuschelt, mutiert die Unmoral dieser Unmenschen zum universellen Maßstab. Wir geben zurück in die Voraufklärung.

(crosspost)

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Wenn der Arsch auf Grundeis geht – Ein Erlebnisbericht nebst Reflektionen über Zivilcourage

Zivilcourage. Dieser neuen Bürgerpflicht zu genügen ist leichter gesagt als getan. Und nach vollbrachter guter Tat fühlt man sich nicht unbedingt besser. Ein Essay unter dem Eindruck einer heil überstandenen Konfrontation.

Die Furcht kam mittendrin. Als ich dem Co-Pöbler in die Augen starrte und versuchte so entschlossen wie möglich zu wirken, dämmerte mir, dass ich körperlich nicht lange bestehen würde gegen diesen rohen Barbaren.

An einem Sonntag im September

Ich wartete am Wittenbergplatz, dem KaDeWe gegenüber, auf den Bus M29, als ich die Auseinandersetzung bemerkte. Ein Mann baute sich bedrohlich vor zwei zierlichen Frauen mit Kinderwägen auf, während sein Begleiter nicht gerade deeskalierend auf ihn einwirkte. Ich stellte meine Taschen an eine Hauswand und fragte mich, ob es sinnvoll sei, sich einzumischen. Da hob der Prekarier wieder zu einer Tirade an, die Höhepunkte des Deutschen umfasste, wie:

Fotze, verpiss Dich, du Fotze, Isch ficke deine Mutter


Nota bene

Adrenalin verursacht leider ein lausiges Konversationsgedächtnis. Die Wiedergabe der gewechselten Worte ist daher nur annähernd präzise. Der Sinn des Gesagten sowie das Grundvokabular der zwei Spießgesellen sind mir jedoch gut im Gedächtnis geblieben und nicht sonderlich entstellt.


Und ich zwang mich selbst einzuschreiten, indem ich einen ersten entschlossenen Schritt in Richtung der Kontrahenten machte und eine verstörte Passantin anwies, auf meine abgelegten Taschen zu achten.

Kein Weg zurück. Ich hatte die Erwartungshaltung erzeugt, dass ich derjenige sein würde, der den Gaffern das unangenehme Einstehen für die Schwächeren abnähme. Dieser Selbstmotivationstrick funktionierte. Ich steuerte das Geschehen an. Die Frage, was hier vor sich ginge, beantwortete der Sekundant des weiterhin Verbalinjurien von sich gebenden Wortführers mit einem gepflegten

Verpiss dich, das geht dich nichts an.

Ich insistierte:

Ihr Freund hier versucht körperlich unterlegene Frauen einzuschüchtern. Ich will wissen warum.

Seine Erwiderung war eine marginal unterschiedliche Reprise der vorherigen Nettigkeit. Ich versuchte ihn in die (verbale) Defensive zu bringen.

Entschuldigen Sie bitte! Ich will wissen, warum hier so rumgeschrieen wird

Mein Beharren ohne mir eine verbale Blöße zu geben schien ihn zu verunsichern. Die nochmalige Wiederholung seinerseits fiel deutlich kleinlauter aus. Aber auch meine Stimme schien mir nicht so fest zu klingen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hatte Angst ver dem, was er als nächstes mit der Bierflasche in seiner gestikulierenden Hand tun würde. Da löste sich der Pöbler bereits, tauschte mit den Damen Invektive aus während er sich entfernte und sein Sekundant wandte sich von mir ab um ihm zu folgen.

Nachgedanken

So schnell wie diese unangenehme Situation begonnen hatte, war sie auch wieder vorüber. Von den Damen kein Wort, geschweige denn des des Dankes, als ich sie bat, die Kampfzone zu verlassen und ihren Weg fortzusetzen. Nur meine spontan rekrutierte Taschenwächterin kommunizierte noch mit mir. Sie müsse diesen Bus nehmen, sagte sie und stieg ein. Den Bus erreichte ich auch noch. Sie hatte noch einige warme Worte für mich, die ich mir gerne anhörte

Ich hatte „Zivilcourage“ gezeigt, das Richtige getan und, wer weiß, vielleicht sogar Schlimmeres verhindert ohne zu Schaden zu kommen. Das machte mich weniger stolz als vielmehr erleichtert; und sehr nachdenklich. Im direkten Anschluss ging mir das Schicksal Dominik Brunners durch den Kopf. Wenige Stunden zuvor hatte ich die ausführlichen Portraits dieses mutigen Mannes in den Sonntagszeitungen gelesen.

Es wäre müßig zu spekulieren, was mir hätte passieren können. Dass mir Hilfe zuteil geworden wäre, halte ich nach meinem Erlebnis für höchst unwahrscheinlich. Ich hoffe inständig, endgültig meinen inneren Schweinehund überwunden zu haben und wieder so zu handeln, sollte die Situation es erfordern.

Wenn Sie, liebe Leser, in eine bedrohliche Situation eingreifen, rechnen Sie nicht damit, dass sich hinter ihnen die breite Front der Anständigen aufbaut. Sie müssen selbst für ihre Rückendeckung sorgen. Und wenn Sie sich zum ersten Mal so exponieren, sind sie schnell außerstande mehr als das Grundlegendste zustande zu bringen. Tun Sie’s trotzdem!

Die falsche Gleichheit

Wo alle gleich sind, ist Zivilcourage fremd. Den Gaffern, den Weitergehern, den Wegschauern fehlt sogar der Egoismus und die Eitelkeit zurückblicken zu wollen in der Gewissheit, das Richtige getan zu haben – und damit eben besser zu sein als die anderen.

Wo der Besondere, der Herausragende, der Bessere verachtet wird, wo die Eigeninitiative stört, da kann es um die Zivilcourage nicht gut bestellt sein. Die Propheten der Gleichheit genannten Uniformität sind bizarrerweise jene, die am lautesten nach Zivilcourage schreien.

Gleichzeitig ersticken sie jede andere Form von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Courage im Namen des sozialen Ausgleichs. Courage auch Zivil- speist sich aber aus einer elitären Haltung, die aus der schweigenden Masse austritt, statt in ihr zu verschwinden.

Ich tat was ich tat nicht zuletzt um meinetwillen, hatte mir selbst etwas zu beweisen. Ich weiss, was richtig ist, und was falsch. Ich will nicht sehen, dass andere das Richtige tun, sondern sie sehen lassen, dass ich recht handele. Ja, ich behaupte, dass ein Mensch der zuerst an sich denkt, eher für seinen Mitmenschen in der Not einsteht, als alle Kollektivisten. Nur für einen Egoisten ist es vorstellbar, dass von seinem Handeln überhaupt etwas Wesentliches abhängt.

Ich hielt nie viel von der Phrase „Zivilcourage zeigen“ und ihrer Brechreiz erregenden Überpräsenz in Sonntagsreden. Jetzt bin ich bloß froh, meine Feuertaufe an diesem Sonntag bestanden zu haben und vor allem, dass ich mich nicht verbrannt habe. Das riskiert zu haben ist allemal besser als mit all den anderen Gleichen auf der kleinen Flamme der organisierten Unzufriedenheit geröstet zu werden.

The word “We” is as lime poured over men, which sets and hardens to stone, and crushes all beneath it, and that which is white and that which is black are lost equally in the grey of it. It is the word by which the depraved steal the virtue of the good, by which the weak steal the might of the strong, by which the fools steal the wisdom of the sages.

What is my joy if all hands, even the unclean, can reach into it? What is my wisdom, if even the fools can dictate to me? What is my freedom, if all creatures, even the botched and impotent, are my masters? What is my life, if I am but to bow, to agree and to obey?

A.R. – Anthem

crosspost von antibuerokratieteam.net

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