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13 Uhr. Die Sonne lacht. Einem Aufruf der Quds-Arbeitsgruppe folgend steht ein knappes Dutzend Demonstranten auf dem Potsdamer Platz. Die Frauen halten, überwiegend verhüllt, Abstand zu den Männern. Passanten bleiben kurz stehen, um schnell wieder ihres Weges zu ziehen. Die Demonstranten wollen, dass Israel die Blockade des Gaza-Streifens aufhebt und (das sprechen sie nicht ganz so deutlich aus) am besten selbst gleich mit aufgehoben wird. Ein paar Meter weiter erfreut sich die Piratenpartei größerer Beliebtheit.

Zwischen der türkischen, der (kopfüber hängenden) palästinensischen und einer deutschen Flagge hängt in der Mitte auf dem Lautsprecherwagen das Banner der Islamischen Republik im Iran. Ein junger Mann befestigt eine herunter hängende Ecke der Flagge mit Klebestreifen.

Die besondere Bindung der Organisatoren an das Regime offenbart sich auch beim Redebeitrag eines grauhaarigen Islam-Konvertiten, der sprachlich aus dem Rheinland und ideologisch aus dem Marxismus kommt.
Es scheint so, dass Frauen vielmehr als Männer dazu bereit sind, für Gerechtigkeit einzustehen, dies hat uns die Geschichte gelehrt. Ohne Frauen wären viele revolutionären Befreiungskämpfe nicht möglich gewesen. Erinnert sei hier an [Nordvietnam, Algerien, Südafrika] und nicht zuletzt dieislamische Revolution im Iran. Frauen waren die Triebfeder dieser auf Gerechtigkeit basierenden Revolutionen.
DIe Revolution 1979 wurde tatsächlich maßgeblich von Frauen getragen. Aber mit Einführung der Zwangsverschleierung und der institutionalisierten Geschlechterungleichheit war die Begeisterung auch schnell verflogen.
Und er fährt später fort, die Muslime müssten ihre verderbliche nationale und kulturelle Identität aufgeben, um in der Umma aufzugehen. Dass er damit an hochrangige Vertreter des Mullah-Regimes erinnert, ist kein Zufall. In Teheran stellt man das Wohl der Islamischen Revolution gerne ausdrücklich über das des Iran.

Man beschwert sich, die Medienmacher würden stets vor Zionisten den Kniefall machen. Es sei nahezu unmöglich die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und die Passanten gehen rüber zur Piratenpartei.
Einheimische (blau) und Eindringlinge (rot) und Photolokalitäten in Berlin
via Locals and Tourists #13 (GTWA #5): Berlin (by Eric Fischer)

Frauendeck

Volksbühne

Transparent
Sie sind nicht Antifa, Sie sind einfach nur Fa!
Dieser Ausspruch Henryk Broders über die Linkspartei nahm Gestalt an in einer Kundgebung (#).
Plastikpalmen und Billigbier – Suffatze Schulte feat. Illoyal
Genau, was man jetzt bräuchte.
Zivilcourage. Dieser neuen Bürgerpflicht zu genügen ist leichter gesagt als getan. Und nach vollbrachter guter Tat fühlt man sich nicht unbedingt besser. Ein Essay unter dem Eindruck einer heil überstandenen Konfrontation.
Die Furcht kam mittendrin. Als ich dem Co-Pöbler in die Augen starrte und versuchte so entschlossen wie möglich zu wirken, dämmerte mir, dass ich körperlich nicht lange bestehen würde gegen diesen rohen Barbaren.
Ich wartete am Wittenbergplatz, dem KaDeWe gegenüber, auf den Bus M29, als ich die Auseinandersetzung bemerkte. Ein Mann baute sich bedrohlich vor zwei zierlichen Frauen mit Kinderwägen auf, während sein Begleiter nicht gerade deeskalierend auf ihn einwirkte. Ich stellte meine Taschen an eine Hauswand und fragte mich, ob es sinnvoll sei, sich einzumischen. Da hob der Prekarier wieder zu einer Tirade an, die Höhepunkte des Deutschen umfasste, wie:
Fotze, verpiss Dich, du Fotze, Isch ficke deine Mutter
Adrenalin verursacht leider ein lausiges Konversationsgedächtnis. Die Wiedergabe der gewechselten Worte ist daher nur annähernd präzise. Der Sinn des Gesagten sowie das Grundvokabular der zwei Spießgesellen sind mir jedoch gut im Gedächtnis geblieben und nicht sonderlich entstellt.
Und ich zwang mich selbst einzuschreiten, indem ich einen ersten entschlossenen Schritt in Richtung der Kontrahenten machte und eine verstörte Passantin anwies, auf meine abgelegten Taschen zu achten.
Kein Weg zurück. Ich hatte die Erwartungshaltung erzeugt, dass ich derjenige sein würde, der den Gaffern das unangenehme Einstehen für die Schwächeren abnähme. Dieser Selbstmotivationstrick funktionierte. Ich steuerte das Geschehen an. Die Frage, was hier vor sich ginge, beantwortete der Sekundant des weiterhin Verbalinjurien von sich gebenden Wortführers mit einem gepflegten
Verpiss dich, das geht dich nichts an.
Ich insistierte:
Ihr Freund hier versucht körperlich unterlegene Frauen einzuschüchtern. Ich will wissen warum.
Seine Erwiderung war eine marginal unterschiedliche Reprise der vorherigen Nettigkeit. Ich versuchte ihn in die (verbale) Defensive zu bringen.
Entschuldigen Sie bitte! Ich will wissen, warum hier so rumgeschrieen wird
Mein Beharren ohne mir eine verbale Blöße zu geben schien ihn zu verunsichern. Die nochmalige Wiederholung seinerseits fiel deutlich kleinlauter aus. Aber auch meine Stimme schien mir nicht so fest zu klingen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hatte Angst ver dem, was er als nächstes mit der Bierflasche in seiner gestikulierenden Hand tun würde. Da löste sich der Pöbler bereits, tauschte mit den Damen Invektive aus während er sich entfernte und sein Sekundant wandte sich von mir ab um ihm zu folgen.
So schnell wie diese unangenehme Situation begonnen hatte, war sie auch wieder vorüber. Von den Damen kein Wort, geschweige denn des des Dankes, als ich sie bat, die Kampfzone zu verlassen und ihren Weg fortzusetzen. Nur meine spontan rekrutierte Taschenwächterin kommunizierte noch mit mir. Sie müsse diesen Bus nehmen, sagte sie und stieg ein. Den Bus erreichte ich auch noch. Sie hatte noch einige warme Worte für mich, die ich mir gerne anhörte
Ich hatte „Zivilcourage“ gezeigt, das Richtige getan und, wer weiß, vielleicht sogar Schlimmeres verhindert ohne zu Schaden zu kommen. Das machte mich weniger stolz als vielmehr erleichtert; und sehr nachdenklich. Im direkten Anschluss ging mir das Schicksal Dominik Brunners durch den Kopf. Wenige Stunden zuvor hatte ich die ausführlichen Portraits dieses mutigen Mannes in den Sonntagszeitungen gelesen.
Es wäre müßig zu spekulieren, was mir hätte passieren können. Dass mir Hilfe zuteil geworden wäre, halte ich nach meinem Erlebnis für höchst unwahrscheinlich. Ich hoffe inständig, endgültig meinen inneren Schweinehund überwunden zu haben und wieder so zu handeln, sollte die Situation es erfordern.
Wenn Sie, liebe Leser, in eine bedrohliche Situation eingreifen, rechnen Sie nicht damit, dass sich hinter ihnen die breite Front der Anständigen aufbaut. Sie müssen selbst für ihre Rückendeckung sorgen. Und wenn Sie sich zum ersten Mal so exponieren, sind sie schnell außerstande mehr als das Grundlegendste zustande zu bringen. Tun Sie’s trotzdem!
Wo alle gleich sind, ist Zivilcourage fremd. Den Gaffern, den Weitergehern, den Wegschauern fehlt sogar der Egoismus und die Eitelkeit zurückblicken zu wollen in der Gewissheit, das Richtige getan zu haben – und damit eben besser zu sein als die anderen.
Wo der Besondere, der Herausragende, der Bessere verachtet wird, wo die Eigeninitiative stört, da kann es um die Zivilcourage nicht gut bestellt sein. Die Propheten der Gleichheit genannten Uniformität sind bizarrerweise jene, die am lautesten nach Zivilcourage schreien.
Gleichzeitig ersticken sie jede andere Form von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Courage im Namen des sozialen Ausgleichs. Courage auch Zivil- speist sich aber aus einer elitären Haltung, die aus der schweigenden Masse austritt, statt in ihr zu verschwinden.
Ich tat was ich tat nicht zuletzt um meinetwillen, hatte mir selbst etwas zu beweisen. Ich weiss, was richtig ist, und was falsch. Ich will nicht sehen, dass andere das Richtige tun, sondern sie sehen lassen, dass ich recht handele. Ja, ich behaupte, dass ein Mensch der zuerst an sich denkt, eher für seinen Mitmenschen in der Not einsteht, als alle Kollektivisten. Nur für einen Egoisten ist es vorstellbar, dass von seinem Handeln überhaupt etwas Wesentliches abhängt.
Ich hielt nie viel von der Phrase „Zivilcourage zeigen“ und ihrer Brechreiz erregenden Überpräsenz in Sonntagsreden. Jetzt bin ich bloß froh, meine Feuertaufe an diesem Sonntag bestanden zu haben und vor allem, dass ich mich nicht verbrannt habe. Das riskiert zu haben ist allemal besser als mit all den anderen Gleichen auf der kleinen Flamme der organisierten Unzufriedenheit geröstet zu werden.
The word “We” is as lime poured over men, which sets and hardens to stone, and crushes all beneath it, and that which is white and that which is black are lost equally in the grey of it. It is the word by which the depraved steal the virtue of the good, by which the weak steal the might of the strong, by which the fools steal the wisdom of the sages.
What is my joy if all hands, even the unclean, can reach into it? What is my wisdom, if even the fools can dictate to me? What is my freedom, if all creatures, even the botched and impotent, are my masters? What is my life, if I am but to bow, to agree and to obey?
A.R. – Anthem
crosspost von antibuerokratieteam.net
Die heutige Kundgebung gegen die Al-Quds-Demonstration verlief größtenteils erfreulich.
Freunde Israels und der Iranischen Freiheitsbewegung boten den Islamisten einen Anblick, der sie überschäumen ließ.
Der nicht unerhebliche Wermutstropfen allerdings war allerdings die Direktionshundertschaft der Berliner Polizeidirektion 4. Die Beamten dieser Einheit verboten uns, ob in Schrift oder Ton, andere Sprachen als Deutsch zu verwenden.
Die geplanten und angekündigten Lieder in hebräischer und persischer Sprache konnten deshalb nicht abgespielt werden. Ein Flagge mit dem Stadtwappen Jerusalems wurde unter Verweis auf den hebräischen Schriftzug ebensowenig zugelassen, wie ein Schild, das auf Englisch über den von der Hamas entführten Gilad Shalit hinwies.
Die überflüssige Festnahme einer Teilnehmerin wegen angeblicher Vermummung kam war das Sahnehäubchen der stellaren Performance.
Währenddessen griffen die Einsatzkräfte nicht ein, als Teilnehmer der Al-Quds-Demonstration Insignien der Terrororganisation Hizbullah zeigten und Redebeiträge auf Arabisch hielten.
Wenn das die offizielle Line der Berliner Polizei ist, steht es schlimmer um diese Stadt, als ich bisher glaubte.
Der Autor dieses Blogs portraitierte sich am 3. August 2009 um 23:20h in einem Café an der Kantstraße per Selbstauslöser mit folgenden Einstellungen an der EOS 400D.
Blende: 5,6, Brennweite: 18mm, Belichtung: 2 Sekunden