Die Moritat vom pinken Katzenballon

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Katze im Baum

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Seit zwei Jahren hängt ein pinker Katzenballon im Baum vor unserem Balkon. Irgendwann im Herbst 2015 entglitt einem kleinen Mädchen die Plastikschnur und der Ballon machte sich auf den Weg in den blauen Charlottenburger Himmel.

Während seiner kurzen anarchischen Reise erhaschte er vielleicht einen Blick auf das Charlottenburger Rathaus, dessen Turm einst von einem selbstbewussten Bürgertum so hoch gebaut wurde, dass er das nahegelegene königliche Schloß mehr als deutlich überragt.

An dieser Straßenecke standen einst prachtvolle Häuser mit Kolonialwarenläden. Es gab auch in den 1920ern ein SPD-Lokal direkt um die Ecke, das später von den Nationalsozialisten zum Folterkeller umfunktioniert wurde. Aber das wusste der pinke Katzenballon wohl nicht.

Pinke Katzenballons sind nicht gerade als versierte Heimatkundler bekannt. Ihnen ist vielmehr ein ausgeprägter Freiheitsdrang zueigen. So schwebte der Ballon — zwischen Stromkästen und mehr parkenden Autos als eigentlich in die Straße passen — gen Himmel.

Er passierte ein paar Lindenblätter, Zweige, und schließlich verhedderte er sich in den Ästen einer stattlichen Linde.

Linden werden gerne an Straßen gepflanzt, weil sie gegenüber den Belastungen des Verkehrs recht robust sind. Ihr Nachteil ist, dass sie die Autos im Sommer mit einer klebrigen Schicht von Pollen überziehen, auf der Laub und Dreck ausgezeichnet haften. Aber das interessierte den pinken Katzenballon wohl nicht. Was kümmert ihn der Straßenverkehr, wenn er davonschweben kann. Aber eine Linde war – wie bei Siegfried – sein Schicksal.

Zuerst zog er tapfer an der Linde weiter, mit all der Kraft, die das Helium ihm gab. Er hatte über sich immer noch den weiten Himmel zu erobern. Von unserem Balkon war er nur wenige Armlängen entfernt. Bei jeder unserer kleinen Grillpartys, wenn ich zeigte, wo Rathaus, Schloß und Spree liegen, konnte er uns zusehen. Er tat mir ein wenig leid, obwohl er nur ein mit Helium gefülltes Stück Plastik war, durch eine Plastikschnur an eine Linde gekettet.

Aber er war viel zu weit weg, um ihn zu befreien. So zog er weiter am Baum. Der blieb weiter stehen. Zwei Jahre lang. Bei jedem Wetter. Inzwischen ist der pinke Katzenballon ein gelber, durch Sonne und Wetter verblichener, hängender Fetzen. Aber er trotzt weiter.

Der pinke Katzenballon wird nur zu seinen eigenen Bedingungen gehen. Nicht einmal Sturm Xavier vor wenigen Tagen konnte ihn vom Baum holen. Da hängt er nun: Gelb, schlaff und ein bisschen zerrissen.

Wenn ich ihn dort so hängen sehe, frage ich mich ob er eine Metapher ist für Katzen, die auf Bäume klettern, von denen sie nicht mehr runterkommen. Da stehe ich dann wie hypnotisiert. Meistens löst sich diese Starre erst, wenn mein Hund mich anstupst. Der bleibt zum Glück auf dem Boden.

Zum Geburtstag mal die Wahrheit

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Die FAZ vor 5 Jahren über den Hauptbahnhof Kritiker sind glücklich, wenn sie Dinge wiedererkennen, wenn sie Referenzen benennen können und berühmte Vorbilder – auch wenn Piranesis Bilder von Gefängnissen, dystopischen Labyrinthen und endlosen Folterhöllen ein etwas sonderbares Vorbild sind für einen Bahnhof. Zeitlos.


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Berlin – Die Teilnehmerzahlen bei den montäglichen Bärgida-Kundgebungen und den Gegendemonstrationen sinken kontinuierlich. Inzwischen kann der islamfeindliche Verein nur noch 30 Personen auf die Strasse bringen; die Gegenkundgebung am Montag fiel mit 50 Teilnehmern ähnlich schwachbrüstig aus und auch die Berliner Polizei war mit wenig Beamten vor Ort. Die am Hauptbahnhof versammelten Bärgida-Demonstranten entschieden sich […]


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Ein Konflikt war vorprogrammiert. Im Raum 3038 der Humboldt-Universität war gestern keiner der mehr als 300 Plätze frei. Die DIG Hochschulgruppe Berlin hatte Sören Pünjer von der Redaktion Bahamas eingeladen, „über die Ursprünge des modernen Antirassismus zu sprechen“. Gleich zu Beginn kündigten die Veranstalter an, gegen mögliche Störer das Hausrecht auszuschöpfen. Die „Antikapitalistische Nichtweiße Gruppe im Aufbau“ hatte mit mehreren Mitgliedern bereits Platz […]


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