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Lektüren und Augenweiden – Meist Links, ab und an Eigenes. Kontakt: Mail / Jabber. Steckbrief: Google-Profil.
Den Informationsüberfluss, der mein Zeitmanagement und nicht zuletzt meine Beziehung belastete, habe ich zurückgefahren. Indem ich sämtliche Abonnements aus meinem Google Reader-Account entfernt habe.
In der kurzfristigen Rückschau kann ich sagen: Es tut nicht weh, denn die Lesegewohnheiten verändern sich. Verschiedene Dienste etablieren sich als etwas, für das man im Englischen den so treffenden wie unübersetzbaren Begriff „Discovery Engine“ geprägt hat. Facebook, Twitter, Friendfeed, Tumblr, die „Share“-Funktionalität des Google Readers und viele weitere Dienste leiten mir Empfehlungen der besten aller Nachrichtenagenturen zu – meines „Netzwerks“. Jene Menschen, denen ich aufgrund meines eigenen Urteils vertraue, teilen über diese Dienste mit, was sie beachtenswert finden. Auch die gute alte Rundmail kann diesem Zweck dienen. An dieser Stelle teile regelmäßig ich meinem Netzwerk mit, was ich für empehlenswert halte.
Dass dieser Informationsfilter teils von exquisitester Qualität ist, davon kann sich der geneigte Leser beim Weblog Give me Something to Read überzeugen. Es listet Artikel auf, die besonders häufig beim Dienst Instapaper gespeichert werden. Instapaper dient dazu, lange Artikel im Netz zur späteren müßigen Lektüre vorzumerken. Die Bestenliste dieser Artikel bei Give me Something to Read ist durchgängig von höchstem Niveau.
Die Rolle der alten Medien als „Schleusenwärter der Information“ wird mittelfristig enden. Der vielbeschworene „Information Overload“ taugt nicht zum Argument für eine Verlängerung dieser Bevormundung. Die Vorauswahl wird dem (noch so ein schrecklicher Anglizismus, Pardon!) „Crowdsourcing“ überlassen. Die Verarbeitung der Informationsflut erfolgt kleinteilig, unorganisiert und –schockschwerenot!– hocheffizient.
Dies wird von Marcel Weiss in einem Artikel über Google Wave für netzwertig.com knackig auf den Punkt gebracht.
Mein GoogleReader zeigt permanent “1000+” ungelesene Artikel an. Die tatsächliche Zahl dürfte an die 10.000 heranreichen. Permanent. Na und? Ich muss sie nicht lesen. Ich muss mich davon nicht verrückt machen lassen.
Das Einzige, was mich verrückt machen würde, wäre, nicht mehr diese großartigen Artikel zu lesen, die ich täglich in Blogs selbst vorfinde und von anderen empfohlen bekomme.
Gewiss gilt Sturgeons Gesetz, „Ninety percent of everything is crud“, für das WWW in verschärfter Form. Ich stelle die These auf, dass mindestens 99% der Amateurveröffentlichungen im Netz vernachlässigt werden können. Dennoch ermöglicht der Fortschritt der erwähnten „Discovery Engines“ es den wirklich beachtenswerten Inhalten schneller als je zuvor ein größeres und interessierteres Publikum zu finden.
Dies müssen die schlechten Autoren (Profis wie Amateure) fürchten, den guten kann diese Entwicklung nur willkommen sein. Sie werden weiterhin gefunden, gelesen und gelobt werden, selbst wenn die „Crud-Rate“ auf 99,9% ansteigt.
Das Löschen aller Abonnements hat den Nebeneffekt, dass die Blogroll dieses Weblogs vorübergehend leer ist. Sie wurde generiert aus Abonnements die in der Kategorie „Blogroll“ verschubladet waren. Nun muss sie sich wieder füllen.
Mein besonderer Dank gilt Boris Eichler von der Stiftung für die Freiheit, dessen Ideen, insbesondere zum Freundeskreis als Nachrichtenagentur, mich hier maßgeblich beeinflußt haben. Seine Gummersbacher Thesen seien nachdrücklich als ergänzende Lektüre empfohlen.