Ein Witz

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Ein Franzose, ein Engl├Ąnder und ein Deutscher wurden mit einer Studie ├╝ber das Kamel beauftragt.

Der Franzose ging in den Jardin des Plantes, hielt sich dort eine halbe Stunde auf, befragte den Aufseher, warf dem Kamel etwas Brot hin├╝ber und stie├č es ein paarmal mit der Spitze seines Regenschirmes. Wieder zu Hause, schrieb er f├╝r seine Zeitung eine Fortsetzungsreihe voller geistreicher und witziger Einsichten.

Der Engl├Ąnder, mit Teekanne und bequem zum Zelten ausger├╝stet, schlug sein Lager in einem orientalischen Land auf. Er weilte dort zwei oder drei Jahre und kehrte dann mit einem Band voller Fakten zur├╝ck, die zwar jeder Ordnung entbehrten und zu keiner Lehre f├╝hrten, daf├╝r aber von echtem dokumentarischen Wert waren.

Der Deutsche schlie├člich, der den Franzosen um seiner Frivolit├Ąt willen und den Engl├Ąnder wegen des Fehlens einer allgemeinen Idee verachtete, schlo├č sich in sein Studierzimmer ein und verfa├čte dort ein mehrb├Ąndiges Werk mit dem Titel: ÔÇ×Die Idee des Kamels, entwickelt aus dem Begriff des Selbst.ÔÇť

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Die Moritat vom pinken Katzenballon

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Seit zwei Jahren h├Ąngt ein pinker Katzenballon im Baum vor unserem Balkon. Irgendwann im Herbst 2015 entglitt einem kleinen M├Ądchen die Plastikschnur und der Ballon machte sich auf den Weg in den blauen Charlottenburger Himmel.

W├Ąhrend seiner kurzen anarchischen Reise erhaschte er vielleicht einen Blick auf das Charlottenburger Rathaus, dessen Turm einst von einem selbstbewussten B├╝rgertum so hoch gebaut wurde, dass er das nahegelegene k├Ânigliche Schlo├č mehr als deutlich ├╝berragt.

An dieser Stra├čenecke standen einst prachtvolle H├Ąuser mit Kolonialwarenl├Ąden. Es gab auch in den 1920ern ein SPD-Lokal direkt um die Ecke, das sp├Ąter von den Nationalsozialisten zum Folterkeller umfunktioniert wurde. Aber das wusste der pinke Katzenballon wohl nicht.

Pinke Katzenballons sind nicht gerade als versierte Heimatkundler bekannt. Ihnen ist vielmehr ein ausgepr├Ągter Freiheitsdrang zueigen. So schwebte der Ballon ÔÇö zwischen Stromk├Ąsten und mehr parkenden Autos als eigentlich in die Stra├če passen ÔÇö gen Himmel.

Er passierte ein paar Lindenbl├Ątter, Zweige, und schlie├člich verhedderte er sich in den ├ästen einer stattlichen Linde.

Linden werden gerne an Stra├čen gepflanzt, weil sie gegen├╝ber den Belastungen des Verkehrs recht robust sind. Ihr Nachteil ist, dass sie die Autos im Sommer mit einer klebrigen Schicht von Pollen ├╝berziehen, auf der Laub und Dreck ausgezeichnet haften. Aber das interessierte den pinken Katzenballon wohl nicht. Was k├╝mmert ihn der Stra├čenverkehr, wenn er davonschweben kann. Aber eine Linde war ÔÇô wie bei Siegfried ÔÇô sein Schicksal.

Zuerst zog er tapfer an der Linde weiter, mit all der Kraft, die das Helium ihm gab. Er hatte ├╝ber sich immer noch den weiten Himmel zu erobern. Von unserem Balkon war er nur wenige Arml├Ąngen entfernt. Bei jeder unserer kleinen Grillpartys, wenn ich zeigte, wo Rathaus, Schlo├č und Spree liegen, konnte er uns zusehen. Er tat mir ein wenig leid, obwohl er nur ein mit Helium gef├╝lltes St├╝ck Plastik war, durch eine Plastikschnur an eine Linde gekettet.

Aber er war viel zu weit weg, um ihn zu befreien. So zog er weiter am Baum. Der blieb weiter stehen. Zwei Jahre lang. Bei jedem Wetter. Inzwischen ist der pinke Katzenballon ein gelber, durch Sonne und Wetter verblichener, h├Ąngender Fetzen. Aber er trotzt weiter.

Der pinke Katzenballon wird nur zu seinen eigenen Bedingungen gehen. Nicht einmal Sturm Xavier vor wenigen Tagen konnte ihn vom Baum holen. Da h├Ąngt er nun: Gelb, schlaff und ein bisschen zerrissen.

Wenn ich ihn dort so h├Ąngen sehe, frage ich mich ob er eine Metapher ist f├╝r Katzen, die auf B├Ąume klettern, von denen sie nicht mehr runterkommen. Da stehe ich dann wie hypnotisiert. Meistens l├Âst sich diese Starre erst, wenn mein Hund mich anstupst. Der bleibt zum Gl├╝ck auf dem Boden.