Der Erdhund erdet

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‚ÄěDie sind ja so schon geil.

Aber in so einer Menge noch besser!“

Das M√§dchen mit Baum-Tattoo bewundert zwei Dutzend Dackel, die durch die Hasenheide ziehen. Einmal im Monat wimmelt es vor der Szenekneipe ‚ÄěPosh Teckel‚Äú in Berlin-Neuk√∂lln vor Dackeln. Sie treffen sich jeden zweiten Sonntag im Monat in der Pfl√ľgerstra√üe, um mit den Hunden den Volkspark Hasenheide unsicher zu machen.¬†Zweifellos werden Dackel wieder beliebter.¬†F√ľr Paul Adler, der mit seiner Rauhaardackeldame Betty hier ist, ist es aber keine Modefrage. ‚ÄěMan sucht sich einen Hund nach dem eigenen Charakter aus‚Äú, sagt er.

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Ein Witz

Zitat

Ein Franzose, ein Engl√§nder und ein Deutscher wurden mit einer Studie √ľber das Kamel beauftragt.

Der Franzose ging in den Jardin des Plantes, hielt sich dort eine halbe Stunde auf, befragte den Aufseher, warf dem Kamel etwas Brot hin√ľber und stie√ü es ein paarmal mit der Spitze seines Regenschirmes. Wieder zu Hause, schrieb er f√ľr seine Zeitung eine Fortsetzungsreihe voller geistreicher und witziger Einsichten.

Der Engl√§nder, mit Teekanne und bequem zum Zelten ausger√ľstet, schlug sein Lager in einem orientalischen Land auf. Er weilte dort zwei oder drei Jahre und kehrte dann mit einem Band voller Fakten zur√ľck, die zwar jeder Ordnung entbehrten und zu keiner Lehre f√ľhrten, daf√ľr aber von echtem dokumentarischen Wert waren.

Der Deutsche schlie√ülich, der den Franzosen um seiner Frivolit√§t willen und den Engl√§nder wegen des Fehlens einer allgemeinen Idee verachtete, schlo√ü sich in sein Studierzimmer ein und verfa√üte dort ein mehrb√§ndiges Werk mit dem Titel: ‚ÄěDie Idee des Kamels, entwickelt aus dem Begriff des Selbst.‚Äú

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Die Moritat vom pinken Katzenballon

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Katze im Baum

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Seit zwei Jahren hängt ein pinker Katzenballon im Baum vor unserem Balkon. Irgendwann im Herbst 2015 entglitt einem kleinen Mädchen die Plastikschnur und der Ballon machte sich auf den Weg in den blauen Charlottenburger Himmel.

W√§hrend seiner kurzen anarchischen Reise erhaschte er vielleicht einen Blick auf das Charlottenburger Rathaus, dessen Turm einst von einem selbstbewussten B√ľrgertum so hoch gebaut wurde, dass er das nahegelegene k√∂nigliche Schlo√ü mehr als deutlich √ľberragt.

An dieser Straßenecke standen einst prachtvolle Häuser mit Kolonialwarenläden. Es gab auch in den 1920ern ein SPD-Lokal direkt um die Ecke, das später von den Nationalsozialisten zum Folterkeller umfunktioniert wurde. Aber das wusste der pinke Katzenballon wohl nicht.

Pinke Katzenballons sind nicht gerade als versierte Heimatkundler bekannt. Ihnen ist vielmehr ein ausgepr√§gter Freiheitsdrang zueigen. So schwebte der Ballon ‚ÄĒ zwischen Stromk√§sten und mehr parkenden Autos als eigentlich in die Stra√üe passen ‚ÄĒ gen Himmel.

Er passierte ein paar Lindenbl√§tter, Zweige, und schlie√ülich verhedderte er sich in den √Ąsten einer stattlichen Linde.

Linden werden gerne an Stra√üen gepflanzt, weil sie gegen√ľber den Belastungen des Verkehrs recht robust sind. Ihr Nachteil ist, dass sie die Autos im Sommer mit einer klebrigen Schicht von Pollen √ľberziehen, auf der Laub und Dreck ausgezeichnet haften. Aber das interessierte den pinken Katzenballon wohl nicht. Was k√ľmmert ihn der Stra√üenverkehr, wenn er davonschweben kann. Aber eine Linde war ‚Äď wie bei Siegfried ‚Äď sein Schicksal.

Zuerst zog er tapfer an der Linde weiter, mit all der Kraft, die das Helium ihm gab. Er hatte √ľber sich immer noch den weiten Himmel zu erobern. Von unserem Balkon war er nur wenige Arml√§ngen entfernt. Bei jeder unserer kleinen Grillpartys, wenn ich zeigte, wo Rathaus, Schlo√ü und Spree liegen, konnte er uns zusehen. Er tat mir ein wenig leid, obwohl er nur ein mit Helium gef√ľlltes St√ľck Plastik war, durch eine Plastikschnur an eine Linde gekettet.

Aber er war viel zu weit weg, um ihn zu befreien. So zog er weiter am Baum. Der blieb weiter stehen. Zwei Jahre lang. Bei jedem Wetter. Inzwischen ist der pinke Katzenballon ein gelber, durch Sonne und Wetter verblichener, hängender Fetzen. Aber er trotzt weiter.

Der pinke Katzenballon wird nur zu seinen eigenen Bedingungen gehen. Nicht einmal Sturm Xavier vor wenigen Tagen konnte ihn vom Baum holen. Da hängt er nun: Gelb, schlaff und ein bisschen zerrissen.

Wenn ich ihn dort so h√§ngen sehe, frage ich mich ob er eine Metapher ist f√ľr Katzen, die auf B√§ume klettern, von denen sie nicht mehr runterkommen. Da stehe ich dann wie hypnotisiert. Meistens l√∂st sich diese Starre erst, wenn mein Hund mich anstupst. Der bleibt zum Gl√ľck auf dem Boden.